Von "Baumaffen", Traumlandschaften, rasanten Fahrern und cleveren Beifahrern - erlebt bei "THE RACE 2010" des AKV.
Hömmele va Lü knubbelten sich am 29. Mai auf dem Aachener Marktplatz. Die 2. AKV-Oldtimer-Rallye „The Race 2010" war angesagt. 75 liebevoll gepflegte „Schätzchen" standen in Warteposition und wurden von den Fans historischer Automobile beliebäugelt. Nur einer zeigte dem Geschehen, wie bereits im vergangenen Jahr bei der ersten „Race", die kalte Schulter: os Keijser Karel auf seinem Eäzekomp. Niemand nahm diesmal Notiz von ihm, denn alle Blicke waren auf die Startrampe gerichtet, wo AKV-Präsident Horst Wollgarten und vom Org-Team Achim Krott als Moderatoren agierten. Fünf vor zwölf gab es den ersten Beifall für AKV-Oberehrenhut a.D. Christian Lücker, der in seinem Jaguar XK150 als Vorhut für die Strecke auf's Pedal trat und startete. Bei Aachener Kaiserwetter senkte dann der AKV-Präsident pünktlich um zwölf Uhr die schwarz-weiße Fahne und gab den Start frei für die Nummer 1, einen Chevrolet, Baujahr 1929, mit 81 Jahren das älteste der teilnehmenden Fahrzeuge, gefahren von Rudolf und Mira Moos.
Mit Akribi und Sachkenntnis stellten die beiden Moderatoren jedes einzelne Automobil mit seinen technischen und historischen Besonderheiten, aber auch mit ihren Spitznamen und Ameröllchen vor. Selbst einen „Sau"- Porsche und einen „Butterklumpen" gab es in der Riege. Besonderen Beifall erhielten beim Start zwei Rallye-Newcomer. So nahm Oberbürgermeister Marcel Philipp, als Beifahrer von Walter Wiese in einem Ponton Mercedes Benz, Baujahr 1957, erstmals an einer Rallye teil, während Ex-Prinz Dirk IV. Trampen als Fahrer eines VW 1600, 1303 L5 Cabrio, Baujahr 1979, seine Rallye-Premiere erlebte. Navigiert wurde er dabei von seinem Ex-Adjutanten Josef Esser, der schon „The Race 2009" mitgefahren war.
Vor den Rallye-Teilnehmern lag eine 140 Kilometer lange Strecke rund um und durch die landschaftliche Idylle des Naturparks Hertogenwald und Hohes Venn. Etwas fester packten die Fahrer des Lenkrad als sonst und die Beifahrer hoben bei der Startfreigabe nur kurz den Blick vom Roadbook mit den Navigationsaufgaben, denn sie waren „das Hirn", das den Fahrern die Anweisungen für ihre Steuertüchtigkeit bei Gleichmäßigkeits- und Zeitprüfungen sowie der Lousberg-Sonderprüfung vorgeben mussten. Teamwork war das A und O für eine harmonisch und erfolgreich verlaufende Rallye, darüber waren sich alle klar. Und während sich die Teams hochkonzentriert zunächst vom Markt in Richtung Gallwitz-Kaserne durch Aachen lancierten, um dort ihre erste Sonderprüfung im Slalomfahren abzulegen, gab es für die Daheimgebliebenen nach dem Start des letzten Wagens 111 Liter Freibier, gespendet vom designierten Prinzen Karneval „Zwanzig11" Alwin I. Fiebus. Die jüngsten Öcher wiederum ließen putzmunter Luftballons mit den Logos der IG Markt und der AKV-Rallye in den noch azurblauen Himmel aufsteigen.
Die Unterhaltung der Teams blieb während der Fahrt über Hauset, Eupen, Jalhay, Francochamps und Burnville auf das Wesentliche beschränkt. „Jetzt 380 Meter bis zur Ampel links!" - „Du kannst auch langsam fahren - Vorzeiten sind nicht erlaubt!" - „So Dirk, jetzt bist du gefordert!" waren noch komplette Sätze. Der „Neuling im Backstage" aber musste feststellen, dass Naturschönheiten bei einer Rallye kaum wahrgenommen werden. „Du sollst auf die Baumaffen achten", musste die Mitfahrerin in der zweiten Reihe immer wieder zurecht gewiesen werden, wenn sie bei Tälern, Wäldern und beweideten Wiesen ins Schwärmen geriet, denn die „Baumaffen" waren ihre Pflichtkür und brachten dem Team Punkte. Gemeint waren die in unregelmäßigen Abständen und in etwa 50 Zentimetern Höhe angebrachten DIN A 5 Quadrate, auf denen jeweils ein Buchstabe stand.
Kaum wurde im Konvoi gefahren. Meist war weit und breit kein zweites Rallye-Fahrzeug in Sicht, nur wenn sich jemand verfahren hatte und einem entgegen kam. Um so schöner war es, plötzlich bekannte Gesichter aus Aachen an den Zeitkontroll- und Startwertungspunkten zu treffen. Doch auch hier blieb das zwar freundschaftliche Gespräch nur kurz: „Darf ich bitte die Bordkarte sehen", lautete die Aufforderung, die Eintragung wurde vorgenommen und die Stoppuhr gezückt: „Noch 20 Sekunden, noch zehn Sekunden, fünf - vier - drei - zwei - eins und 'ne schöne Fahrt!" Einhundert ehrenamtliche Helfer aus der großen, großen Familie Aachener Karnevalisten, darunter viele von der Oecher Börjerwehr und des AKV, waren an den Wegstrecken im Einsatz. Ihr freundliches Lächeln war wie eine Wegzehrung für die Teams.
In der zweiten Halbzeit dann, nach einer Kaffeepause in der Hostellerie de la Chapelle im landschaftlich malerischen Bernister Beverce, schien sich doch eine leichte Nervosität breit zu machen. Plötzlich dominierte nur noch eine Zahlensprache mit Sekunden- und Meterangaben.
Doch die Teams hatten sich eingespielt und ab Kalterherberg beflügelte der heimatliche Stallgeruch die Fahrt. Und, wenn bisher nur ein paar vereinzelte Bewohner der Orte ihren Rasenmäher abstellten und interessiert auf die Wagen schauten, so wussten die Jungen der Straßenfußballmannschaft in Sief sofort, was es mit dem Wagen Nummer 53 auf sich hatte. „Hallo, Dirk!" riefen sie, denn auf der Wagentür prangte das ex-prinzliche Logo: „Prinz Dirk IV. - 2010".
Nach fünfstündiger Fahrt und „perfekt" bestandener Lousberg-Prüfung rollte das Team Trampen - Esser wieder auf dem historischen Marktplatz von Aachen ein. Die Walking Jay Dee Brassband hatte die wartende Menge derweil unterhalten. AKV-Vizepräsident Norbert Königs überreichte den Eintreffenden zur Erinnerung an „The Race 2010" eine Plakette mit dem Logo in Form eines Ordens. Im Rahmen einer Abendveranstaltungs in der Aula Carolina fand dann später die Siegerehrung statt.
Jutta Katsaitis-Schmitz