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Christoph Tyrell, der Winzer vom Karthäuserhof

Wo die Trauben vom Wingertsberg
zum Öcher Heuschreck Durchbruch werden

Es sind zwei Jubiläen, die in der Session 2012 den Aachener Karnevalsverein und die Karnevalsgesellschaft Trierer Heuschreck mit einander verbinden: 3 x 11 Jahre ist es her, dass die Trierer mit 9 x 11 zarten Rebstöcken den Aachenern Entwicklungshilfe im Weinanbau leisteten. Und tatsächlich fährt der AKV seitdem in jedem Jahr eine "reiche Ernte" ein. So sind es durchschnittlich zwischen 40 bis 55 Kilogramm Trauben, die bei einem Öchslegrad von 70 bis 85 bis zu 56 Flaschen (á 0.375 Liter) "rassigen" Rieslingweins ergeben.
Seit 20 Jahren ist es jetzt Christoph Tyrell, Senator der KG Trierer Heuschreck, der als Winzer auf seinem Weingut Karthäuserhof in Eitelsbach bei Trier für den AKV die Bearbeitung der geernteten Trauben und die Abfüllung des Weines übernimmt.

Der Winzer führt den Betrieb bereits in sechster Generation fort. 1223 wird der Weinanbau in Eitelsbach erstmals urkundlich erwähnt. Funde aber belegen, dass schon zur Römerzeit in den Weinbergen des Karthäuserhofes Wein angebaut wurde.1335 schenkte Kurfürst Balduin von Luxemburg das Weingut den Karthäusermönchen. Zur Zeit der Säkularisierung kauften dann 1811 Tyrells Vorfahren, eine Familie Rautenstrauch, den Karthäuserhof. Heute zählt das Weingut zu den einhundert Besten in Deutschland.

Tyrell (Jg. 1948) ist Jurist, aber ebenso seit 30 Jahren gelernter Winzer. Fragt man ihn, worin er die natürliche Qualität des „Öcher Heuschreck Durchbruch" sehe, dem nur Kenner „eine gewisse Süße" nachsagen, lautet seine diplomatische Antwort: „Erstaunlich sind die unterschiedlichen Vegetationsverläufe zwischen Aachen und Trier. Ein Spiegelbild sind die Trauben". An den AKV-Winzern schätzt er deren Engagement und belächelt ihren Glauben an die vermeintliche Planbarkeit des Zeitpunktes einer Weinlese. Für ihn bedeutet Karneval Abstand vom Alltag, und letztlich kam es durch die Freundschaft mit alteingesessenen Trierer Jecken, dass er Anfang der 80er Jahre Mitglied der KG Trierer Heuschreck wurde.

Heute ein Senator, war Christoph Tyrell von 1996 bis 1999 auch Senatspräsident des Trierer Heuschrecks. Und wie steht es um seinen Humor? „Ich glaube, mein Humor ist nicht laut, sondern hintergründig, gepaart mit einem guten Stück Selbstironie", lautet die Antwort. Er ist Lebensoptimist, der kleine gesellige Runden liebt und ein gutes Glas Wein jedem Bierchen vorzieht. Sein Motto lautet dabei: „Das Leben ist viel zu kurz, um schlechten Wein zu trinken".

Ein Blick zurück
Die engen Bande zwischen dem AKV und der KG Trierer Heuschreck reichen bis in das Jahr 1829 zurück. Clemens Hecker, der Gründervater der AKV-Mutter „Florresei", war auch Ritter der Schoppenstecher-Innung zu Trier, die „lustige Brüder mit wohlwollendem Humor" zu Ehrenmitgliedern ernannte und damit auch ihn. 1848 gründeten intellektuelle Mitglieder der Innung eine Carnevalsgesellschaft zu Trier, die sich 1850 den „anarchisch-wilden" Heuschreck zum Wappentier erwählte. 1956 wurden im Rahmen der Verleihung des Ordens wider den tierischen Ernst diese alten Beziehungen neu geknüpft und zeichneten die Trierer den damaligen AKV-Präsidenten Jacques Königstein mit dem „Heuschrecklichen Friedenskreuz" aus. Die weinseligen Bande einer Winzerpartnerschaft aber begannen dann 1979. Erfreulich ist, dass seit 2010 im AKV-Weinberg sogar närrische 111 Rebstöcke ihre Trauben tragen. Elf Flaschen einer jeden Ernte gelten sogar als „bare Münze", denn alljährlich sind sie bei der närrischen Ratssitzung die symbolische, süffige Pacht des AKV an die Stadt Aachen für den Weinberg. Auf 111 Cents beliefe sich normalerweise die Pacht!

Jutta Katsaitis-Schmitz