Ritterknappe Philipp zu Guttenberg nun auch Ehrenmitglied des AKV
Am Montagabend, 30. Januar, wurde die AKV-Festsitzung ab 20.15 Uhr von der ARD übertragen.
Eine Wiederholung bringt der WDR im Dritten Programm in der Nacht vom Samstag, 11. Februar, zum Sonntag, 12. Februar, in der Zeit von 00.10 bis 2.40 Uhr.
Mit Herzlichkeit hatten die Aachener bereits am Vormittag der Ordensverleihung den designierten Ordensritter Ottfried Fischer in der Elisengalerie empfangen. „Printen und Pflümli haben mich nach Aachen gelockt", scherzte der Kabarettist, der sich dabei als „Außenminister Bayerns in Sachen Humor" betitelte. Respekt und Bewunderung zollten ihm dann am Abend bei der AKV-Festsitzung im Europasaal des Eurogress die 1254 Zuschauer mit den Ordensrittern Constantin Freiherr Heeremann von Zuydtwyck, Theo Waigel, Thomas Borer, Wendelin Wiedeking, Jürgen Rüttgers und Joachim Hunold für sein souveränes Auftreten im Ritterkäfig. Seine Rede bestätigte die Kriterien, die den AKV veranlasst hatten, dem bekannten Kabarettisten und Volksschauspieler den Orden wider den tierischen Ernst zu verleihen.
„Kabarett dient Ottfried Fischer zur launigen Bestandsaufnahme von Politik, Kultur und Gesellschaft. Aus einer zutiefst humanen Sicht hält er heiter, humorvoll und hintergründig den Spiegel vor, kritisiert, ohne zu moralisieren und die Mitmenschen damit zu verletzen. Wer mit soviel Humor agiert, ist den Aachener Orden wert", heißt es unter anderem in der Urkunde zur Verleihung, die AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil verlas. Dann überreichte er dem „scharfzüngigen Kabarettisten und Querdenker" den als Kulturpreis anerkannten Orden, die Rittermütze, die Rolle mit den Ordensregeln in Küchenlatein sowie eine überdimensionale Öcher Printe mit dem Konterfei Fischers. „Als eiserne Ration anstelle einer Ritterrüstung", konterte der Kabarettist.
„Liebe Öcher, Euch allen sei ins Stammbuch geschrieben, dass Ihr hier freundliche, weltoffene Menschen und ein gastfreundliches Volk seid", wandte sich Ritter Fischer dann an die Festgesellschaft und bezeichnete sich als den legitimen „Ritter Sport - quadratisch, praktisch, gut in der edlen Corona der Ordensritter". Er sei zum zweiten Mal in Aachen, habe bei seinem ersten Besuch im Aachener Fußballstadion Menschen in bunter Verkleidung, eine Riesenstimmung, bemalte Gesichter, Lachen und Schunkeln erlebt, aber keine Stadion-Loge des AKV gefunden. Neutraler AKV-Beobachterschal, 1860er Gesinnung, ein vertretbares 1:1 erwähnte Fischer Stichpunkt artig, um dann festzustellen: „Respekt liebe Öcher, und das gilt auch heut' Abend: Ihr seid ein gastfreundliches Publikum. Keiner versteht, warum Euch die Laudatoren abhauen!"
An anderer Stelle fragte der frisch gekürte Ritter in seiner Rede, warum ein Vollblutpolitiker und ausgewachsener Bundespräsident belastende Worte auf die Mailbox seiner ärgsten Feinde und Quäler spreche! Er fand die Antwort: Politischer Selbstmord scheidet aus, dafür brauche es eine Badewanne. Aber er wird von jemandem gehetzt und ist nicht mehr von Sinnen. „Hört auf die Menschen zu jagen für eine Schlagzeile! Und, ich weiß wovon ich spreche." Am Ende seiner Rede versprach „Otti" Fischer: „Ich komme wieder im nächsten Jahr zur Laudatio, wenn Absagen nicht zur Pflicht wird". Dann stimmte er: „Ja, das war'ns die oiden Rittersleit'" an und wurde bei Standing Ovations von Taktklatschen begleitet.
Würdig, witzig und wortgewaltig hatte Philipp zu Guttenberg als Knappe seines verhinderten Bruders Karl-Theodor zuvor mit einer Reimrede die Laudatio auf Ottfried Fischer gehalten. Immer wieder wurde sie durch Beifall, Heiterkeitsausbrüche und Pfiffe des Publikums unterbrochen.
„Hier steh' ich wieder einsam und verlassen,
ein armer Knappe ohne Ritter
und sage Ihnen und den Massen
vor dem Bildschirm, was so bitter
und doch so unvermeidlich ist:
Er hat sich schlechterdings verpisst!"
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Ach, liebe Öcher ist's nicht bitter,
dass in der Politik kein Ritter
zu finden ist. - Statt Charaktere
herrscht in der Zunft notorisch Leere.
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Für Ottfried unsere Gazelle
hat Aachen noch in aller Schnelle
den Narrenkäfig doch verbreitert
damit er hier nicht vorerst scheitert.
Ottfried Fischer jeden Tag im Flimmerkasten
kriegt man plötzlich Lust auf's Fasten.
Otti hier und Otti da
Mal von fern, meist furchtbar nah.
Selbst bei 19 einhalb Zoll
ist der Bildschirm plötzlich voll.
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Viel Freud, viel Leid, das ist nicht neu,
doch hier da trennte sich die Spreu
als Parkinson die Fesseln band.
Das Lachen von uns fast verschwand.
Als Knappe zieh' ich meinen Hut
vor Deinem übergroßen Mut.
Und auch KT, wohlgleich der bleckt,
zollt Dir bewundernden Respekt.
Ritter wirst, weil Du uns lernst:
Man lacht und ist es noch so ernst!"
Die Festgäste im Eurogress reagierten mit enthusiastischer Begeisterung, Standing Ovations und anhaltendem Beifall. AKV-Präsident Dr. Pfeil ernannte den Laudator zum Ehrenmitglied des AKV und verlieh ihm den Windmühlen-Orden, eine der höchsten Auszeichnungen des Aachener Karnevalsvereins.
Das Programm der Festsitzung war ein bunter Mix aus Aachener Lokalkolorit sowie bekannten Fernsehkünstlern und wurde von Dr. Werner Pfeil, seinem Vizepräsidenten Rolf Gerrards und dem Kabarettisten Jürgen Beckers gemeinsam moderiert. Beeindruckend lebensfroh war bereits das Eröffnungsbild „Samba open Rues" mit der Stadtwache Oecher Börjerwehr, der Sambaband Animoso sowie Tänzerinnen des Tanzsportzentrums Aachen.
Ferner brachten de Jonge vajjen Beverau, Lennet Kann alias Dr. Dirk von Pezold, die Lennet-Girls, die einmal mehr gefeierten 4 Amigos, Prinz Karneval Rainer I. mit Märchenprinz Tobias I., Aachener Prinzengarde, Hofstaat und der Schautanzgruppe der Horbacher Freunde sowie die Domsingschüler Öcher Flair auf die Bühne. Das gilt auch für die Kindergruppe der KG Närrische Flammengilde, die mit Michael Schanze in die Welt von Harry Potter eintauchte und den 21. Zentis-Kinderkarnevalspreis erhielt, dotiert mit 3333 Euro. Den zum ersten Mal verliehenen Lambertz-Ehrenpreis - einen Printenpokal - erhielt das Tanzpaar der KG Eulenspiegel Janine Römkens und Sandro Gallazini. Beide sind Deutsche Meister im Paartanz und wurden jetzt zum dritten Maal Sieger beim Ball der Mariechen 2012.
Als glänzende Auftritte fanden begeisterten Applaus: Guido Cantz als „Nuntius aus Köln", Ingolf Lück als „Manneken Pis", Dave Davis alias Motombo Umbokko als „Toilettenfachkraft" sowie die Parodie „Angie" Merkel, die Kanzlerin der Herzen.
Jutta Katsaitis-Schmitz