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Mitternacht zum Aschermittwoch 2010: Prinz Karneval Dirk IV. Trampen legt Prinzenmütze und Zepter ab.

Nun trägt er den Orden des Ex-Prinzenkorps beim AKV.

Fünf Minuten vor Mitternacht zum Aschermittwoch drängten die Gäste der AKV-Festvorstellung im ausverkauften Stadttheater zum Spiegelsaal. Der Zeitpunkt für die Verabschiedung des diesjährigen Prinzen Dirk IV. Trampen war gekommen. "Ein Stern am karnevalistischen Himmel bleibt immer mit deinem Namen verbunden. Auch dein Schloss in den Wolken und der Mond, den du so oft mit dem Lasso eingefangen hast, bleiben einzig dir, dem Prinzen der Session 2010", wandte sich AKV-Präsident Horst Wollgarten an die scheidende Tollität. "Wir haben mit dir einen Prinzen gehabt, der seinen Job ganz toll gemacht hat", fügte er hinzu.

Die Gesichter des Hofstaats und auch der Prinzengarde verbargen nur schwer die Ergriffenheit. Dirk IV. bewahrte Haltung: „Ich will weitergeh'n. So ein Abschied ist noch lange kein Tod, denn niemals geht man so ganz", sagte er und brachte dann doch nur noch mit belegter Stimme hervor: „Danke, an meine Eltern. Danke, Mammi, Danke, Pappi!"  Dann übergab er die Prinzenmütze und sein Zepter an den AKV-Präsidenten, der ihm den Ex-Prinzen-Orden verlieh, der ihn nun sein Leben lang begleiten wird. Ein letztes Winken und der Prinz ließ sich auf die Arme der spalierstehenden Prinzengarde fallen, die ihn hinaustrug, während die Festgesellschaft mit Taschentüchern winkte und die Coverband Typical Fruits einen Trauermarsch spielte. Der AKV-Elferrat trug nun die Mützen quer auf dem Kopf und alle Karnevalsorden wurden umgedreht. Vorbei war die Zeit der Narretei!

Dem närrischen Staatsakt des Abschiednehmens war die traditionelle Festvorstellung im Stadttheater vorangegangen, in deren Verlauf zum letzten Mal das Hurra, tsching bumm" der 100 Jahre alten Prinzengarde der Stadt Aachen erklungen war. „Dirk, du warst wunderbar. Du hast uns eine unvergessliche Session geschenkt und auch dein Hofstaat war großartig", dankte Gardekommandant Markus Bongers seinem Vize. Tanzmarie Jennifer Deerberg blieb allerdings eine weitere Enttäuschung nicht erspart. Wegen eines Trauerfalles in der Familie nahm ihr neuer Tanzoffizier Elmar Bosold nicht an diesem Auftritt teil. Wieder also musste Jennifer Solo tanzen. Tollität aber bot noch einmal mit großem Aufgebot sein volles Sessionsprogramm, bevor er sich von jedem seiner sehr gerührten Hofstaatler einzeln verabschiedete. Sechseinhalb Wochen lang hatten alle wie ein Mann Seite an Seite gestanden.

Bis zu diesem emotionalen Abschied waren sich vorab drei Stunden und 15 Minuten lang Oper und Karneval in einem amüsanten, närrischen Mix  begegnet. „Drei Groschen für den AKV" hieß der Spaß, den Elferratsherr Achim Floegel als beauftragter „Theatermacher" auf einander abgestimmt hatte. Sein bewährtes Erfolgsrezept dabei: Auch Künstler auf die Theaterbühne zu bringen, die in der Karnevalsszene nicht beheimatet und in der Aachener Region relativ unbekannt sind. Wiederum führte diese Strategie zum Erfolg, zu dem wesentlich auch das festlich gekleidete und amüsierfreudige Publikum beitrug. Denn so hieß es auch diesmal wieder: „Schlechtes Benehmen wird nicht nur erwartet, sondern geradezu verlangt".

Purzelnde Luftballons, gleitende Luftschlangen, Trillerpfeifen und Zwischenrufe wurden daher zum Ausdruck der Gefühle und stürmischen Begeisterung. Von dieser Stimmung ließ sich auch das Theaterensemble bei den Szenen aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper" anstecken. Daher grüßte auch „Polly" (Elke Borkenstein) das Publikum zunächst mit „Oche Alaaf!" Den „Mackie Messer" sang Torsten Borm und die „Lucy" wurde von Julia Brettschneider verkörpert. Unter dem Dirigat von Heribert Leuchter spielte das Dreigroschenorchester die Musik von Kurt Weill, während die Gesamtverantwortung bei Gaby Jacobi als Inspizientin lag.

Mit der „Samba open Rues" erlebten die Straßenmusikanten Da Musica ihre karnevalistische Premiere, sind sie doch sonst mit klassischer Musik unterwegs. Die Theatergäste aber schunkelten ausgelassen zu ihren Klängen mit. In das Bühnengeschehen mischte sich der AKV-Elferrat mit seiner „Lady Gaga"- Persiflage und De Wanderer als A-cappella-Quartett schufen Kölsche Partystimmung wie im Gürzenich und wurden enthusiastisch gefeiert. Getoppt wurde die Stimmung durch de Jonge uus et Leäve von der Tropigarde, die mit Öcher Leddchere zum Schunkeln und Mitsingen animierten und Turbulenzen auslösten. Einen närrischen  Schlagabtausch, nicht ohne gewisse Spitzen zum Aachen-Geschehen, lieferte sich das Duo „Rurtaltrio". Absoluter Stargast aber war der Comedian Dave Davis, ein Schwarzafrikaner, der mit exzellentem Esprit einen politischen Rundumschlag lieferte und mit Standing Ovations sowie ohrenbetäubendem Trillern und Pfeifen gefeiert wurde. Das setzte sich fort beim Auftritt der 4 Amigos mit brillanten neuen Songs. Turbulenzen riefen auch sie mit ihrem sentimentalen Bekenntnis „Vür sönd, wie vür sönd" und einer Lennet - Michael-Jackson-Parodie hervor, die letztlich in närrischem Chaos gipfelten.

„Es war ein kurzweiliges Programm, bei dem viel gesungen und wenig gesprochen wurde. Wenngleich die Dreigroschenoper mit ihrem sozialkritischen Inhalt für den Veilchendienstag sehr anspruchsvoll war",  fasste Rudi Moos, selbst ein passionierter Sänger, seinen positiven Eindruck als Zuschauer zusammen. Der Beste aber sei der Komödiant Dave Davis gewesen.  „Vom Musikalischen her wäre Aachen ohne die 4 Amigos entschieden ärmer", fügte Moos hinzu.

Jutta Katsaitis-Schmitz