AKV-Senat

Der AKV-Senat - ein Brückenschlag zwischen den Generationen

Sie sind die „grauen Eminenzen" des AKV im Hintergrund, haben vor Jahrzehnten als Ehrenhüte ihre AKV-Laufbahn eingeschlagen und viele von ihnen gehörten später auch dem Elferrat an, um letztlich heute als Senatoren den Aachener Karnevalsverein zu stützen. Nicht allein durch wohlwollendes Sponsoring, sondern ebenso in beratender Funktion. Und, dass es gerade 22 gestandene, honorige Herren sind, mag karnevalistisch gewollt oder auch ein glücklicher Zufall sein. Darüber hinaus ist der Brückenschlag zwischen Alt und Jung ein besonderes Anliegen der Senatoren. Dabei sehen sie in den Ehrenhüten den karnevalistischen Nachwuchs des AKV, den es zu fördern gilt.

Die Geburtsstunde des Senats hatte am 16. Dezember 1937 geschlagen, als 17 betuchte AKV-Mitglieder mit animierender Unterstützung des damaligen AKV-Präsidenten Jacques Königstein sich zusammenschlossen, um dem Verein aus seinem finanziellen Defizit herauszuhelfen. 14 dieser noblen Herren hatten bereits zwei Jahre zuvor einem Festausschuss angehört, der gewährleistete, dass die Feierlichkeiten zum 75-jährigen Bestehen des AKV würdig begangen werden konnten. Dieses Jubiläum wäre eigentlich bereits 1934 fällig gewesen, war jedoch aus finanziellen Gründen um ein Jahr zurückgestellt worden. Knappe Kassen hatte es, bedingt durch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse im Lande, immer wieder einmal beim Aachener Karnevalsverein gegeben. So auch in Folge der Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Das Engagement des neu geschaffenen Senats mit seinem ersten Präsidenten Otto Henrich erlaubte es dann 1935, dass allein am Rosenmontagszug zwölf Wagen des AKV teilnehmen konnten, darunter auch zum ersten Mal ein Wagen der „Grauen Mäuse". Sie waren ehemalige Ehrenhüte, die diesen Namen durch die grauen Jäckchen erhielten, die sie trugen.

Seit Oktober 2010 ist Rolf Lücker Senatspräsident. Er trat damit die Nachfolge von Freddy Berndsen an. Seit 1988 AKV-Mitglied erhielt Rolf Lücker 1998 die AKV-Ehrenmütze, gehörte 2003 und 2004 als Vizepräsident dem Elferrat an. 2004 wurde er mit dem Peter-Geulen-Orden ausgezeichnet. Rudolf Görres - seit 1993 Schatzmeister - und Ricardo de Bernardi - seit 2005 Generalsekretär - wurden bei der Neuwahl in ihren Ämtern bestätigt. Die drei Senatoren bilden den amtierenden Vorstand, der die Strategie des Senats für die jeweilige Session festlegt.

Zur Zeit gehören dem AKV-Senat weitere 17 Senatoren an: Dieter Bischoff, Freddy Berndsen, Karl Brand, Bernd Carl, Jürgen Eidens, Manfred Hauswirth, Peter Jordan, Dr. Winand Kranz, Heiner Nobis, Peter Offermanns, Klaus Peters, Jürgen Schmitter, Johannes Schumacher, Karl Schumacher, Mathias Steinmetz und Karl-Rudolf Woytschaetzky Last not least aber auch der als „Urgestein" hoch geschätzte Karl-Heinz Schönberg (81), der bereits seit 1980 Senator ist und von 1988 bis 1994 Senatspräsident war.

„Wir sind ein Herrenclub, und unsere Senatoren fühlen sich verpflichtet, etwas mehr für den AKV zu tun, als nur Mitglied zu sein", sagt der Senior und erinnert sich, dass es in den 80er Jahren immer eine nette Runde von zehn bis zwölf Herren war, die sich, wie auch heute noch, zu Sessionsbeginn in der ersten Etage des „Goldenen Schwans" trafen. Zu den Senatoren gehörte damals auch Franz Nobis, als ältestes AKV-Mitglied. Um Senator zu werden, brauchte man in jenen Jahren einen Bürgen. Die Damen waren nur bei geselligen Anlässen präsent. „Doch nichts ist konstanter, als die Veränderung", fügt Karl-Heinz Schönberg hinzu. So gab es im Laufe der Jahre bald nicht nur den Stammtisch für Herren, sondern auch einen gemeinsamen im „Gut Entenpfuhl" mit den Damen. „Und längst sind auch die jährlichen, kleinen Senatsreisen zusammen mit den Damen zu einer Selbstverständlichkeit geworden", lässt Freddy Berndsen nicht unerwähnt.

Wie aber wird man heute Senator des AKV? Bewerben kann man sich nicht. Mitglied kann nur der werden, der vom Senat deshalb angesprochen wird und bereit ist, sich sowohl zeitlich, als auch finanziell für den eingeschlagenen Kurs des Senats einzubringen. In der AKV-Satzung heißt es dazu: „Der Senat ist ein Zusammenschluss bewährter Mitglieder, die sich die besondere Unterstützung des AKV zur Aufgabe gemacht haben. Er schlägt dem Elferrat neue Senatoren zur Ernennung vor und wählt in seiner Vollversammlung den Senatspräsidenten, der der Bestätigung durch den Elferrat bedarf". Den Elferrat zu unterstützen und ihm zur Seite zu stehen, das ist die Hauptaufgabe der Senatoren. „Jules von Jouanne, Ordensritter wider den tierischen Ernst 1952, war einer unserer bekanntesten AKV-Senatoren", so Ricardo de Bernardi.

„Wir schlagen aber auch die Brücke zwischen den Generationen", bringt Karl-Heinz Schönberg ins Gespräch. Und das natürlich wiederum durch bereitwillige, finanzielle Rückendeckung. So nehmen die Ehrenhüte seit einigen Jahren mit einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug teil und können die Jecke am Straßenrand auch großzügig mit Wurfmaterial erfreuen. Dass die Nachwuchs-AKVer aus ihrem Priratenlook schlüpften und seit der Session 2008 als schmucke Pagen Mädchenherzen höher schlagen lassen, wäre ohne die verständnisvolle Gunst der Senatoren nicht möglich gewesen. Diese öffnen auch ihr Portemonnaie, damit die Ehrenhüte am Elften im Elften an der beliebten „Gans janz anders" - Party teilnehmen können. In diesem Jahr verzichten die Ehrenhüte allerdings auf diese Einladung zugunsten der Anschaffung neuer Kostüme für den Rosenmontagszug. Das Finanzielle ist die eine Seite. Andererseits fühlen sich die Herren des Senats aber auch zur Vorbildfunktion verpflichtet und sind jederzeit bereit, aufgrund eigener Ehrenhut-Erfahrungen beratend zur Seite zu stehen.

Was aber wäre ein Prinz Karneval ohne die Insignien närrischer Macht? Seit es 1950 nach dem Ende des zweiten Weltkrieges mit Hans III. Achilles wieder eine Aachener Tollität gab, sind es die Senatoren, die alljährlich das Prinzenzepter als eine der Insignien stiften, das bei der Proklamationsfeier vom Senatspräsidenten überreicht wird. Die Kontaktpflege zu befreundeten Karnevalsvereinen ist eine weitere Aufgabe, die der Senat für den AKV übernommen hat. Freddy Berndsen ist der Kontaktmann zur Dülkener Narrenakademie. Karl Schumacher hingegen pflegt seit vielen Jahren den Kontakt zum Trierer Heuschreck, zur Ettlinger Narrengilde und zur 1. Großen Stolberger Karnevalsgesellschaft. „Nicht unerwähnt sei, dass der Senat in diesem Jahr dem AKV anlässlich seines 150jährigen Jubiläums eine neue Standarte gestiftet hat", ergänzt Generalsekretär Ricardo de Bernardi. Eine besondere Ehre war es für die Senatoren, als ihnen AKV-Präsident Horst Wollgarten beim Ordensfest 2009 das Jölde Hazz va Oche als Auszeichnung verlieh.

Soll auch ein Ameröllchen nicht verschwiegen werden. Anerkennung und Dank werden den noblen Herren Senatoren durchaus zuteil. Aber Federn an ihrer Senatorenmütze fehlen ihnen noch immer! Vielleicht ein wenig selbst verschuldet, denn als sie die Bitte gegenüber dem AKV vortrugen, schränkten sie sofort ein: „Alles, aber keine Hühnerfedern!". Mit einem klaren „Nein" wischte der AKV die Sache vom Tisch. Auch beim zweiten Versuch der Senatoren. Da lebte aber noch Helmut Strack als Geschäftsführer und „versüßte" ihnen dieses zweite Nein, indem er Freddy Berndsen als Senatspräsident zum Trost einen indianischen Federschmuck überreichte. (tis)

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