Interview mit dem Ordensritter 2006
Wie ein Sauerländer der Faszination des rheinischen Karnevals erliegt
Frage: Womit waren Sie, Herr Merz, gerade beschäftigt, als Sie die Nachricht ereilte, dass Sie in Aachen zum Ritter gekürt werden, und wie war Ihre erste Reaktion?
Antwort: Ich saß im Büro in Berlin und war mit einer Rede beschäftigt, die ich vor der Kinderhilfestiftung in Frankfurt halten sollte. Die Überraschung war perfekt!
Frage: Sie wurden im Sauerland geboren. Hat der Karneval dort eine ähnliche Bedeutung, wie in rheinischen Gefilden, und wann und wo „stürzten“ Sie sich selbst zum ersten Mal ins närrische Treiben?
Antwort: Ich komme aus dem kurkölnischen Teil des Sauerlands und wohne in Arnsberg, wo bekanntlich während der französischen Besetzung der Kölner Domschatz aufbewahrt wurde. Das verbindet mich mit dem Rheinland genauso wie mein Geburtsdatum, nämlich der 11.11.55, und meine Zeit des Studiums in Bonn. Im Sauerland wird ordentlich Karneval gefeiert, aber richtig „gelernt“ habe ich es erst während des Studiums.
Frage: Gibt es eine persönliche Erinnerung an ein Erlebnis im Karneval, das Ihnen unvergessen bleibt?
Antwort: Ja, und zwar mein erster Besuch in Aachen, ich meine, es war im Jahr 1999. Ich hatte die großen, bekannten Sitzungen bis dahin nur aus dem Fernsehen gekannt. Es war eine tolle Stimmung im Saal, die man im Fernsehen viel weniger aufnehmen kann.
Frage: Wie finden Sie die Idee dieses närrischen Kulturpreises „Wider den tierischen Ernst“, um damit Humor im Amt, also auch in der Politik, auszuzeichnen?
Antwort: Ohne solche Auszeichnungen wäre auch die Politik ärmer. Es gibt ernste Probleme genug, aber ein bisschen Lebensfreude und Freude an der Arbeit gehören auch dazu. Und nicht zuletzt: Wir Politiker müssen auch mal abschalten und einfach ein bisschen Spaß haben dürfen.
Frage: Welche Rolle messen Sie persönlich dem Humor und der natürlichen Fröhlichkeit im Leben eines Menschen bei?
Antwort: Ohne Humor und Fröhlichkeit im Alltag wäre das Leben doch einfach schrecklich.
Frage: Was schätzen Sie besonders an Karl Kardinal Lehmann, der ja bei der Ordensverleihung die Laudatio halten wird?
Antwort: Ich mag ihn persönlich sehr, er verkörpert für mich „katholische Lebensfreude“ wie kaum ein Zweiter. Er hat einen sehr feinen und tiefgründigen Humor. Mich hat es sehr gefreut, dass er im letzten Jahr in die Reihen der Aachener Ritter aufgenommen wurde.
Frage: Wann beginnen Sie mit der Ausarbeitung Ihrer Ritterrede und haben Sie bereits bestimmte Vorstellungen, in welche Maskerade Sie im Narrenkäfig schlüpfen wollen?
Antwort: Diese Rede geht mir fast jeden Tag durch den Kopf. Ich mache mir kleine Notizen, denke über das Leitmotiv nach und weiß: Dies wird eine meiner schwierigsten Reden, die ich je zu halten hatte. Ich denke, der Bierdeckel sollte eine Rolle spielen.
Frage: Lachen Sie gern oder schmunzeln Sie lieber nur? Was kann Sie überhaupt am meisten erheitern?
Antwort: Ich freue mich immer besonders über einen gut gelungenen Witz und über jede lästerliche Bemerkung über Kollegen und Freunde – frei nach dem Motto: „Lieber einen guten Freund verloren, als auf einen guten Witz verzichtet“.