AKV-Vereinsgeschichte

Der Aachener Karnevalsverein (AKV) im Öcher Fastelovvend

Karneval – die Aachener nennen ihn „Fastelovvend“ – ein Wort, das für rheinischen Frohsinn und das älteste Volksfest der Menschheit steht. Selbst der Weimarer Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe geriet in den Bann des Kölner Karnevals und fasste seine Begeisterung in Verse. „Löblich wird ein tolles Streben, wenn es kurz ist und mit Sinn; dass noch Heiterkeit im Leben gibt besonnenem Rausch Gewinn“, schrieb er 1825.

Doch die närrische Hochburg Aachen stand zu jener Zeit – und steht bis heute – dem nicht nach. 1829 war in Aachen die „Florresei“ als erster Karnevalsverein der Stadt gegründet worden. Noch immer wird sie vom AKV als „Mutter“ bezeichnet. Vereinsinterne Querelen führten 30 Jahre später zu einer Spaltung. Am 9. Dezember 1859 wurde mit Felix Ackens als erstem Präsident der neue Aachener Karnevals-Verein (AKV) aus der Taufe gehoben. Heute ist er nach der Stadtgarde Oecher Penn von 1857 der zweitälteste Verein. Im närrischen Treiben des rheinischen Karnevals hat der AKV im Lauf seiner Geschichte einen besonderen, den „Aachener Stil“, entwickelt. So ist nicht der „brüllende Lacheffekt“, sondern vielmehr die „Schmunzelrede“ voller Witz, Esprit und Nachdenklichkeit zum Markenzeichen des Öcher Fastelovvends geworden.

Die Ritterreden im Narrenkäfig bei den jährlichen Festsitzungen des AKV zur Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ sind hierfür ein Paradebeispiel. Nicht umsonst verfolgen von Jahr zu Jahr Millionen Zuschauer am Fernsehbildschirm dieses karnevalistische Highlight. „Humor und Menschlichkeit im Amt“ sind Voraussetzung für den Ritterschlag. Ein britischer Militärstaatsanwalt wies diese Tugenden auf und erhielt 1950 als erster den Orden. Es war James-Arthur Dugdale, der einen kurz zuvor Verurteilten über die Karnevalstage aus der Haft entlassen hatte. „Man könne es dem Mann nicht zumuten, die höchsten Feiertage im Rheinland hinter Gittern zu verbringen“, hieß es im Beschluss über die Haftverschonung.

Jeder der acht Präsidenten der neueren Geschichte des Aachener Karnevalsvereins prägte den AKV unverwechselbar und führte ihn, unter Beibehaltung alter Traditionen, an die Erwartungen der jeweiligen Moderne heran: Jacques Königstein (1930-1967), Erich Servais (1968-1971), Helmut A. Crous (1971-1984), Julius Peters (1984-1987), Georg Helg (1987-1997), Dr. Dirk von Pezold (1997-2003), Dieter Bischoff (2003-2007), Horst Wollgarten (2007-2010) und seit August 2010 führt Herr Dr. Werner Pfeil die Geschicke des Vereins.

Es war Jacques Königstein, der als Präsident des AKV die Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ initiiert hatte und damit den Aachener Karnevalsverein in eine neue Phase seiner Bedeutung – nicht nur im rheinischen Karneval – hineingeführt hatte. Die Professionalität im Wirken und Auftreten des AKV als Botschafter der Stadt Aachen ist Georg Helg als Präsident zu verdanken, in dessen Amtszeit es zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins auch einen hauptamtlichen Geschäftsführer gab. Es war Helmut Strack. Er starb 1998 an den Folgen eines tragischen Unfalls im Rosenmontagszug. Gab es Stimmen, die den AKV als „zu wenig volksverbunden“ bezeichneten, so war es Dr. Dirk von Pezold, der als Präsident für den Verein verstärkt die Nähe zu anderen Karnevalsgesellschaften suchte und auch bei ihnen als Sänger traditionellen Aachener Liedguts und von Chansons in Öcher Platt auftrat, so, wie er auch bei den Festsitzungen des AKV als Öcher Original „Lennet Kann“ und als „Frank Sinatra von Aachen“ neue Akzente gesetzt hat.

Die Session 2006 stand im Zeichen eines historischen Jubiläums. Seit 125 Jahren stellt der AKV aus seinen Reihen den Aachener Prinz Karneval. Es war der AKVer Arthur Reumont, der 1881 bei einer sogenannten „Birutschenfahrt“ als erste namentlich bekannte Tollität durch Aachen fuhr. Erst zwei Jahre später gab es auf Initiative des AKV wieder einen großen Maskenzug, bei dem die „Öcher Gecke“ Louis Gilljam als Prinz Karneval zujubelten. Er war zuvor bereits als hochtalentierter Büttenredner des AKV bekannt. Im Zeitraum von 1888 bis 1924 bekleidete er später insgesamt 14 Jahre das Amt des AKV-Präsidenten.

Was wäre ein närrisches Treiben ohne einen edlen Tropfen? Den baut sich der AKV seit einem Vierteljahrhundert selbst auf dem Aachener Wingertsberg an. Die Nichtkarnevalisten behaupten, er sei sauer. Die Fastelovvendsjecke aber wissen um das Elitäre des „Öcher Heuschreck-Durchbruch“ und verkosten ihn als „edel, mit einer gewissen Süße“. Es ist ein Rebensaft der Freundschaft, war es doch die Trierer Karnevalsgesellschaft „Heuschreck“, die 1979 mit 9 x 11 Rebstöcken den Öcher Neu-Winzern im AKV Entwicklungshilfe leistete.

Seit 2010 sind 10 x 11 Rebstöcke. Den jetzigen Präsidenten, Dr. Werner Pfeil, der in Trier studierte und promovierte, verbindet eine enge Freundschaft mit der ältesten Stadt Deutschlands, die sich durch eine Vertiefung der Beziehung des Trierer Heuschreck mit dem AKV auszeichnet.

„Durch Frohsinn zur Wohltätigkeit“ lautete bereits bei der „Florresei“ das Motto im karnevalistischen Treiben. Auch der Aachener Karnevalsverein schrieb sich bei seiner Gründung diesen Wahlspruch der „Mutter“-Gesellschaft auf die Fahne. Heute ist es die Jacques-Königstein-Stiftung, aus deren Geldern alljährlich bedürftige Senioren zur Weihnachtszeit bedacht werden.

Zur Brauchtumspflege zählt für den AKV nicht nur Narretei im Fastelovvend, sondern auch die Bewahrung Aachener Stadtgeschichte. Kurz vor seinem Tod verkaufte der langjährige AKV-Präsident Helmut A.Crous seine wertvolle, stadthistorische Privatsammlung an den AKV, damit sie durch den Verein erhalten, erweitert und über Generationen hinweg der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Die Crous-Sammlung befindet sich heute als wissenschaftliche Präsenzbibliothek im Domizil des AKV. Seit Sommer 2011 präsentiert sich der AKV Sammlung Crous mit wechselnden Ausstellungen.