Anwesende Ex-Prinzen bei „Gans Janz anders“ 2016, Foto: Photo Preim

Am Aschermittwoch ist für Karnevalsprinzen längst nicht alles vorbei

AKV-Vizepräsident und Ex-Prinz Rolf IV.Gerrards bringt es auf den Punkt: „Wenn du einmal Prinz warst, bleibt es immer an dir hängen, und am Aschermittwoch ist längst nicht alles vorbei. Da wirst du von deinen prinzlichen Brüdern herzlich im Prinzenkorps empfangen.“ Und das bereits um Mitternacht zum Aschermittwoch beim Theaterball. Kaum hat die scheidende Tollität Zepter, Prinzenkette, Mütze und Federn abgelegt, verleiht ihm seit 20. der AKV-Präsident den Exprinzenorden und ein neuer Freundeskreis erwartet ihn als prinzlichen Bruder.

Heute gehören mehr als 50 gestandene Tollitäten der AKV-Geschichte dem Korps an. Sie treffen sich drei bis vier Mal im Jahr, um ihre Erinnerungen an die unvergessliche Zeit als Öcher Narrenherrscher lebendig zu halten. Die seit 1999 jeweils am Elften im Elften in der Casino-Gastronomie veranstaltete, exklusive Küchenparty „Gans janz anders“ zählt dabei längst zum absoluten Highlight im Jahresablauf des Korps. Und wie heißt es im Lied der so sangesfreudigen Barden dann jedes Mal zur Eröffnung:
„Wir waren Prinzen dieser Stadt,
wer hätte das jemals gedacht.
Ein Traum, der wurde Wirklichkeit
Und war es nur für kurze Zeit.“
Wenngleich jeder Einzelne im Stillen von seiner Herscherzeit überzeugt ist, dass sie „atemberaubend und eben einmalig war“, so steht doch für alle gemeinsam eines fest: „Der beste Prinz ist immer der aktuelle einer Session!“. Derzeit ist das „Trifolium“ mit Marcus I. Quadflieg (2003), Frank II. Prömpeler (2008) und Thomas I. Ebert (2009) das Sprecherteam im Korps, das die organisatorischen Fäden in den Händen hält. Seit 1987 ist das Prinzenkorps auch in der Satzung des AKV verankert.
131 Jahre ist es jetzt her, dass in Aachen „ein Held Karneval mit seinen beiden Pagen“ am Rosenmontag des Jahres 1830 an einer feierlichen Birutschenfahrt teilnahm. Sein Name aber blieb unbekannt. Erst 1881 wurde am Rosenmontag der vom AKV gestellte 21-jährige Arthur Boyd Reumont als Prinz und „glanzvoller Mittelpunkt einer feierlichen Birutschenfahrt“ namentlich zitiert. Kriege und Wirtschaftskrisen führten dazu, dass die fünfte Jahreszeit mit einem Prinzen Karneval sich von selbst verbot oder auch verboten wurde. So war 1939 der letzte Vorkriegsprinz Ewald I. Thelen auch erst die 2 x 11. Tollität in der AKV-Prinzengeschichte. Erst 1950 konnte er sein Zepter an den ersten Nachkriegsprinzen Hans III. Achilles weitergeben. Als Dieter I. Bischoff in seinem Prinzenjahr 1968 zusammen mit den Ex-Prinzen Helmut I. Schultz (1955), Hubert I. Nadenau (1959) und Axel I. Scholz (1963) einen erlebnisreichen Prinzenball im Scotch Club veranstaltete, erfuhren die Kontakte der Ex-Prinzen zu einander eine festigende Bindung.

Doch eine richtige Wiedergeburt erfuhr das Prinzenkorps dann erst durch die Ex-Prinzen Hans IV. Comuth (1973) und Gregor I. Horbach (1982), zu dessen Geburtstag sie 1982 in seiner Session in den Schwarz-Gold-Saal des Steigenberger Hotels Quellenhof eingeladen hatten. „Unter dem Motto: ‚Wir sind das inaktivste Karnevalsgremium im Aachener Karneval’ gelang es uns im Laufe unserer 16-jährigen Amtszeit als Korpssprecher 40 Ex-Prinzen im Alter zwischen 90 und 25 Jahren zu einer Gemeinschaft zusammenzuschweißen“, zogen sie 1998 in ihrem Abschlussbericht vor dem Ausscheiden aus dem Amt Bilanz. Seit dem Neuanfang wird auch alljährlich die Prinzenkette einer neuen Tollität vom Prinzenkorps gestiftet und im Verlauf der Proklamation dem neuen Narrenherrscher vom dienstältesten Ex-Prinzen und dem Oberbürgermeister verliehen.