Königsteinkette für das Öcher Schängche

Os leäv Öcher Schängche hat unruhige Wochen hinter sich. Durchaus seit 92 Jahren gewohnt im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen, waren plötzlich er und seine Stabpuppengesellen weit über Aachens Stadtmauern hinaus in den Blickpunkt geraten, würden sie doch als Stadtpuppenbühne vom Aachener Karnevalsverein die Königstein-Kette erhalten.

Dass das eine hohe karnevalistische Ehre war, wusste das clevere Kerlchen als Symbolfigur für einen echten Öcher durchaus. Doch er wusste sich ja nicht allein, denn nicht nur et Jretche und seine „ganze pucklige Verwandtschaft“ nebst teuflischer Gesellen begleiteten ihn zu diesem Akt der Auszeichnung, sondern auch der künstlerische Leiter der Stadtpuppenbühne, Otto Trebels.

Mit der Verleihung der Königstein-Kette wurde insbesondere die Bühnenpräsenz des Ensembles bei den Karnevalssitzungen in der vergangenen Session gewürdigt. Jährlich sind es fünf Karnevalssitzungen, die jeweils unter einem speziellen Motto stehen. „Öcher fiere Fastelovvend met et Schängche än Kej-ser Kaal“ lautet es im Karlsjahr 2014. „Ich lege dabei großen Wert auf Mit-mach-Karneval“, betont Otto Trebels, was bedeutet, dass auch das Publikum mitwirken muss. Darin liege der Reiz dieser Veranstaltungen, die Trebels in der Session 1995/1996 zum ersten Mal inszeniert hatte. Inzwischen sind sie zu Kultsitzungen geworden.

Für die Aachener Kinder war die Stockpuppenbühne „Öcher Schängche“ in den vergangenen 92 Jahren oft der einzige Ort, um mit Öcher Platt und Aachener Stadtgeschichte vertraut gemacht zu werden. Doch noch immer ist das Schängche Junggeselle und et Jretche, seine Verlobte, nicht unter der Haube. „So lange ich Spielleiter bin, werden die beiden auch nicht heiraten. Da halte ich mich an die Spielregeln der Gründerväter“, bleibt Otto Trebels standhaft. Die Geburtsstunde für et Schängche hatte am 4. Mai 1921 bei der Gründung der „Aachener Marionettenspiele“ geschlagen. Als geistiger Vater schrieb Professor Dr. Will Hermanns die ersten und auch meisten Stücke. Zuerst wurde 1921 „Der Teufel in Aachen“ aufgeführt. Es ist bis heute die Erfolgsinszenierung geblieben. Mit seiner Sprache und seinen in Sagen verpackten Abenteuern aber wurde et Schängche zur Identifikationsfigur jedes wahren Öchers. Und so verwundert es nicht, dass die Aachener sich gern dem im Jahr 2002 gegründeten Förderkreis Öcher Schängche anschließen, um Hilfe bei der Finanzierung von Ausstattung, Technik sowie aktuell dem Aufbau einer Homepage zu leisten. „Derzeit gehören etwa 220 Mitglieder unserem gemeinnützigen Verein an“, berichtet Dr. Karl Allgaier. Nicht mehr weg zu denken sei inzwischen auch das 2008 gegründete politische Kabarett „Pech und Schwefel“, das seitdem über 60 ausverkaufte Veranstaltungen hatte und 2014 in die siebente Staffel geht.

(tis)

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