Mario Adorf ist 59. Ritter des Ordens WIDER DEN TIERISCHEN ERNST

Er ließ sich die gute, alte Bütt bringen, tauchte dahinter einmal kurz ab, und als er wieder auftauchte, da trug Mario Adorf eine rote Pappnase, ein blaues Hütchen und eine karierte Weste:

Seine Ankündigung, dass er nun gedenke, „mal richtig die Sau rauszulassen”, füllte er ruckzuck mit Leben.

Denn den zweiten Teil seiner Ritterrede im festlich geschmückten Aachener Eurogress nutzte der Grandseigneur des Films und Theaters am Samstagabend, um ein Feuerwerk wunderschöner Büttenrednerpointen abzubrennen.

Kostprobe:

„Neulich komm ich in meine Bank. ,Et tut mir leid, sagt mein Anlageberater, ,aber Ihre Aktien sind im Keller. Da sag ich: ,Wenn sie sich da besser halten oder in echte Kohle verwandeln, soll es mir recht sein.”

Die Gäste des Aachener Karnevalsvereins im Saal lohnten es dem Mimen mit tosendem Applaus, auch das Fernsehpublikum wird am Montag (ARD, 20.15 Uhr) voll auf seine Kosten kommen.

Die Laudatio von Vorjahresritterin Gloria von Thurn und Taxis bekam ebenfalls reichlich Beifall. Der schönen Grundidee (sie spielte eine Klatschreporterin, die dem großen Star seit Jahren auf den Fersen ist) fehlte ein wenig die Durchschlagskraft.

Doch lag die Latte für die Fürstin nach dem furiosen Auftritt als AKV-Ritterin ja auch reichlich hoch. „Mario Adorf ist der erfolgreichste Schauspieler in Deutschland, die Nummer eins. Sie haben Persönlichkeit, Glaubwürdigkeit, Charme, ganz viel Humor und ganz viel Witz”;, sagte der Präsident des Aachener Karnevalsvereins, Horst Wollgarten, der die Sitzung moderierte.

Adorf unterbrach ihn im Tonfall des Literaturkritikers Marcel Reich-Ranicki: „Ich habe mir den Käfig voller Narren hier drei Stunden lang angesehen, und ich lehne diesen Preis” – lange Pause – „nicht ab.” Der Saal tobte.

Dem AKV ist es unter der Regie von Uwe Brandt und Ulf Dietrich gelungen, für den närrischen Ritterschlag 2009 einen bunten, feurigen und würdigen Rahmen zu setzen.

Die Mischung passte, die prächtigen Szenenbilder spiegelten italienische Lebensfreude auf einer Piazza mitten in Aachen. Ein bisschen Dolce Vita, ein bisschen Petticoat und Vespa, Gelato für die Kinder und ganz viel Tanz, Musik und schmachtende Blicke.

Gewaltigen Applaus heimsten dabei vor allem die Aachener Karnevalskünstler ein. Allen voran die „Vier Amigos”, die nach ihrem schon Jahre währenden Siegeszug durch die Säle der Region nun erstmals dem AKV die Ehre gaben. Der Saal tobte.

Glänzend kamen auch Josef, Jupp und Jüppchen an. Die drei Meister des gewitzten Alltagsgesprächs legten eine Sternstunde hin und wurden vom Publikum gefeiert.

Beste Visitenkarten gaben ferner Oberbürgermeister Jürgen Linden, Märchenprinz Paul, Prinz Thomas und ihre Hofstaaten und die Prinzengarde ab, die Oecher Boerjerwehr, Büttenredner Jürgen Beckers, die Tanzcompanie TN Boom, Lennet Kann Dirk von Pezold sowie die ebenso jungen wie äußerst erfolgreichen Schautänzer von den Horbacher Freunden.

Einen schweren Stand hatte dagegen der süddeutsche Kabarettist Wolfgang Krebs, der als Postbote den politischen Witz einwerfen sollte.

Der AKV hat mit Ritter Mario einen Volltreffer gelandet. Mit Charme und Witz, mit Schlitzohrigkeit und großer Begeisterung meisterte Adorf den Weg auf die für ihn ja nicht unbedingt vertraute Karnevalsbühne.

Furios startete er als singender Ritter in einer farbenprächtigen Straßenszene mit dem Gassenhauer „Funiculi, funicula”, um später in seiner Ritterrede zunächst eine geliebte Rolle wieder aufzunehmen: den rheinischen Industriellen Heinrich Haffenloher aus der Fernsehserie „Kir Royal” von Helmut Dietl.

Jenen „Jeneraldirektor, der in Kleber macht”. Der Heinrich kann jönnen. Der lebt selbst gut und lässt andere mitleben. Und das hat Adorf am Samstagabend in Aachen auch getan.