Iris Berben erhält den Orden wider den tierischen Ernst

Humorvoll und engagiert: Ritterin Iris Berben zeigt Gesicht für Offenheit, Toleranz und Respekt

Sie ist eine Lieblingsschauspielerin der Deutschen. Eine, die uns Humor und Ironie beigebracht hat, als mahnende Instanz aber auch die Stimme erhebt, wenn es ihr nötig erscheint. Einer breiten Bevölkerungsschicht als feinsinnige himmlische Tochter bekannt geworden, gehört sie heute zu den glaubwürdigen moralischen Instanzen des Landes. Iris Berben kann Unterhaltung und Politik, sie kann Menschen zum Lachen und zum Nachdenken bringen, emotional berühren und aufrütteln. Trotz ihres enormen Arbeitspensums nimmt sie sich immer wieder Zeit für ihr gesellschaftspolitisches Engagement. Im Einsatz für Toleranz und gegen Antisemitismus ist der Publikumsliebling ganz vorne dabei.

„Iris Berben stellt sich in den Wind, erhebt ihre Stimme und wird gehört. Wenn es um Ungleichbehandlung geht, um Rassismus, Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus, dann bleibt sie nicht stumm“, sagt AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil. „Sie hat uns Deutsche zum Lachen gebracht, aber sie redet uns auch ins Gewissen und ihre Stimme hat Gewicht. Sie erinnert, mahnt und rüttelt auf, ohne belehrend zu sein. Nicht von oben herab, sondern als Frau, die sich sorgt, die sich einsetzt, Partei ergreift und Mut beweist. Und als Mensch, der genau für diese Haltung geachtet und geschätzt wird.“

Iris Berben wuchs in Hamburg als Tochter eines Gastronomen-Ehepaars auf. 1968 ging die Hanseatin nach München, wo sie ihre Schauspielkarriere begann und 1969 ihre ersten Filme drehte. 1978 hob sie als eine von zwei himmlischen Töchtern ab. Schon früh stellte Iris Berben ihre enorme Vielseitigkeit unter Beweis. Neben vielen ernsthaften Filmrollen drehte sie zusammen mit Diether Krebs die Comedy-Reihe Sketchup, die ganz Deutschland zum Lachen brachte.

Ihre künstlerische Lebensleistung ist überwältigend. In über 50 Jahren mit weit mehr als 100 Filmen hat Iris Berben ein Spiegelbild deutscher Gesellschaftsentwicklung geschaffen. In Filmen von großer Relevanz packen ihre Rollen an, was unsere Gesellschaft ausmacht: Nationalsozialismus und Holocaust, deutsche Teilung und Wiedervereinigung, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, deutsche Kultur- und oder Familiengeschichten. Iris Berben hat den Frauen jeder Epoche ein Gesicht gegeben.

Popularität sei eine Form von positiver Macht, die man nutzen müsse, um sich einsetzen, sagt Iris Berben: „Sich nur darauf auszuruhen und über den roten Teppich auf und ab zu latschen, ist irgendwie ein bisschen zu wenig.“ Und so mischt sie sich auch politisch ein. Bei mehreren Wahlen unterstützte Iris Berben öffentlich die SPD, weil diese für eine bessere, solidarischere Gesellschaft eintrete, so die Schauspielerin. 2014 spielte sie in „Sternstunde ihres Lebens“ die für Frauenrechte kämpfende SPD-Politikerin Elisabeth Selbert und 2017 war sie als Delegierte der SPD Mitglied der Bundesversammlung. Als Unterstützerin der Sozialdemokratie fordert Iris Berben von der Partei aber auch Haltung ein. So gehörte sie 2018 zu den Unterzeichnern eines Aufrufs an die SPD, auch parteiintern solidarisch und fair miteinander umzugehen und als intakte, starke Wertegemeinschaft für eine bessere, solidarische Welt einzustehen.

2016 unterstützte sie „Meine Stimme für Vernunft“, eine von der SPD initiierte Kampagne gegen rechtspopulistische und rechtsextreme Hetze. „Unsere Demokratie lebt vom Engagement der Bürgerinnen und Bürger und sie muss jeden Tag aufs Neue erarbeitet, manchmal verteidigt werden“, sagte sie bei der Vorstellung der Kampagne im Willy-Brandt-Haus. Unsichere Zeiten würden von einigen Gruppen missbraucht, um Vorurteile zu schüren, Aggressionen hervorzurufen und im schlimmsten Fall zu Gewalt gegen Menschen anzustiften.

„Wie wichtig gerade diese Haltung gegen Rechtsextremismus, diese Stimme für Gerechtigkeit und dieses Engagement für Menschlichkeit ist, zeigen uns die jüngsten politischen Ereignisse in verschiedenen westlichen Demokratien“, so Dr. Werner Pfeil. „Eine Herzensangelegenheit ist ihr das kontinuierliche Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus und das ist ein Beispiel für uns alle.“

Für ihren Einsatz wurde Iris Berben, die seit 1967 mehrfach nach Israel reiste, 2002 mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet. Berben ist Kuratoriumsmitglied der Deutschen AIDS-Stiftung und engagiert sich für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR. „Ich werde nicht nachlassen, Menschen davon zu überzeugen, für ein demokratisches Verständnis, für ein tolerantes und respektvolles Miteinander einzutreten. Ich zeige Gesicht – für ein weltoffenes Deutschland. Jetzt erst recht“, sagte Iris Berben zu ihrem Engagement für den Verein „Gesicht zeigen!“, der sich für ein weltoffenes Deutschland und gegen jede Art von Diskriminierung einsetzt.

Künstlerisch und gesellschaftlich engagiert

Nicht nur für ihr künstlerisches, sondern auch und vor allem für ihr gesellschaftliches Engagement wurde Iris Berben vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem  Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, dem Bayerischen Verdienstorden, den Bayerischen Verfassungsmedaillen in Silber und in Gold und dem Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin, um nur eine kleine Auswahl zu nennen. Dass sie daneben zahlreiche Kultur- und Filmpreise wie diverse Bambis, Goldene Kameras, den Adolf-Grimme-Preis und andere abräumte, muss eigentlich nicht erwähnt werden.

Ihr großer und warmherziger Humor, ihre enorme Vielseitigkeit als Schauspielerin, aber auch ihr großes gesellschaftspolitisches Engagement haben den Elferrat des Aachener Karnevalsvereins zutiefst beeindruckt. „Iris Berben ist eine hoch engagierte Persönlichkeit, die sich mit Vehemenz für bunte Vielfalt und gegen Rassismus einsetzt. Gerade heute ist sie eine der wichtigen Stimmen, die wir gegen aufkeimenden Populismus und Antisemitismus brauchen“, sagt AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil. „Zugleich hat sie als Schauspielerin auch nach unzähligen ernsten Rollen nie ihre Wurzeln aus der Komik verloren und kann jeden zum Lachen bringen.“ Für Iris Berben ist Humor auch ein Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung, denn: Despoten und Diktatoren mögen keinen Humor. Humor und Menschlichkeit gehören für sie auf jeden Fall zusammen, und so fragt Iris Berben: „Wenn wir nicht miteinander lachen, wie können wir dann menschlich zueinander sein?“

Der Elferrat des AKV sieht in Iris Berben eine starke Frau, die mit Sympathie, Engagement und Geradlinigkeit die Herzen der Menschen gewinnt. Mit großer Freude zeichnet er sie deshalb am 30. Januar 2021 als 72. Trägerin des ORDENS WIDER DEN TIERISCHEN ERNST aus.

Fotocredit: Arya Shirazi

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